Ein neues Sportevent in Las Vegas stellt eines der größten Tabus der modernen Leichtathletik infrage: das Verbot leistungssteigernder Mittel. Die für Mai 2026 geplanten Enhanced Games versprechen eine Zukunft, in der Sportler:innen zugelassene Substanzen nutzen können, um Rekorde aufzustellen – ohne Angst vor Disqualifikation.
Der australische Unternehmer und Initiator des Projekts, Aron D’Souza, nennt die Veranstaltung die „Olympischen Spiele der Zukunft“ und argumentiert, Sportler:innen sollten völlige Freiheit darüber haben, was sie mit ihrem Körper machen.
Unter ärztlicher Aufsicht dürfen die Teilnehmenden Substanzen einsetzen, die von der US-Arzneimittelbehörde FDA genehmigt sind; Drogen wie Kokain und Heroin bleiben jedoch verboten. Geplant sind Kurzbahnschwimmen, Sprint und Gewichtheben. Die Sieger:innen können Preisgelder von bis zu einer Million Dollar einstreichen.
Ethik und Reaktionen im Fokus
Befürworter:innen sprechen von einem mutigen Experiment zur Auslotung menschlicher Grenzen, Kritiker:innen warnen hingegen vor der Normalisierung des Dopings und den damit verbundenen Gesundheitsrisiken. World-Athletics-Präsident Lord Coe bezeichnete eine Teilnahme als „schwachsinnig“, UK Anti-Doping erklärte, das Konzept „untergrabe das Fair Play“. Deutsche Sportverbände haben sich noch nicht geäußert, doch angesichts der strengen Anti-Doping-Gesetze und der belasteten Vergangenheit mit Doping erwarten Fachleute deutlichen Widerstand.
Trotz der Kontroverse konnten die Games namhafte Geldgeber gewinnen, darunter Donald Trump Jr. und der Milliardär Peter Thiel. Mehrere Athlet:innen auf Olympia-Niveau haben bereits zugesagt, darunter der britische Schwimmer Ben Proud, der griechische Sprinter Kristian Gkolomeev und der US-Läufer Fred Kerley, der derzeit wegen eines Verstoßes gegen Anti-Doping-Regeln gesperrt ist.
Nach Angaben der Organisator:innen soll Gkolomeev unter den „enhanced“-Bedingungen bereits schneller geschwommen sein als der offizielle Weltrekord über 50 Meter Freistil – ein weiterer Zündstoff für die Debatte. Da D’Souza jährliche Austragungen plant, stellt sich für Deutschland und die internationale Sportwelt die Frage, ob es sich um eine Innovation oder den Anfang einer gefährlichen neuen Ära des Leistungssports handelt.